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Unternehmen

Was wäre Adam ohne Egon. Und was Egon ohne Adam? 1964 treffen sich die beiden zum ersten Mal. Wie aus dieser Begegnung ein Produkt entsteht, das bis heute begeistert: Das ist eine Geschichte für sich.

 

Wieland, der Schmied

„Wie würden Sie die Kuppel der Berliner Gedächtniskirche im Modell bauen?“ Mit dieser Frage sucht Professor Rolf Lederbogen 1963 einen Leiter für die Metallwerkstatt der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Adam Wieland ist damals 27, gelernter Schlossermeister und bereit für eine neue Herausforderung. Sein Entwurf setzt sich gegen 50 Mitbewerber durch – und kurz danach richtet er die neue Werkstatt mit 12 Arbeitsplätzen ein. Auf dem Stundenplan stehen Übungen zu Materialkunde, Fertigungslehre und Modellbau. Die Metallarbeit wird zum Grundlagenstudium für rund 190 Architekturstudent*en im Jahr. Sie schätzen den Handwerker für seine patenten Ideen und geben ihm den Spitznamen „Wieland, der Schmied“. Schließlich war auch der germanische Sagenheld ein Meister seines Fachs.

Eiermann und das X

1947 folgt Egon Eiermann dem Ruf auf den Lehrstuhl für Architektur an die Technische Hochschule Karlsruhe. Seine streng rationale, geometrische Formensprache definiert den Stil der „2. Moderne“ und prägt das Profil der Universität. Er unterrichtet die „Lost Generation“, die erste Generation nach dem Krieg. Zu seinen Vorlesungen drängen sich die Student*en auf Treppen und Fensterbänken. Fahrgemeinschaften reisen aus Stuttgart an. Eiermann berichtet aus der Praxis – z.B. vom Bau des Abgeordneten-Hochhauses in Bonn („Langer Eugen“) oder der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Da für ihn jedes Gebäude ein Gesamtkunstwerk ist, entwirft er die Möblierung gleich mit. So entsteht 1944 ein erstes Stahlrohrgestell für sein Büro in Beelitz-Heilstätten, die „Baracke“. 1953 folgt ein stabiler, funktionaler Arbeitstisch für seine Räume an der Karlsruher Hochschule. Auf das Wesentliche reduziert, zeigt er das typische, raumdiagonale Kreuz. Es steht schräg und alle Elemente sind fest verschweißt. Eine einfache, lose aufgelegte Holzplatte dient als Zeichenunterlage. Der „Eiermann“ ist geboren – und geht als Arbeits- und Zeichentisch in Kleinserie. Erster Kunde ist die TH Karlsruhe, die ihre Übungssäle damit ausstattet.

   

Schnell wird der Eiermann-Tisch an der TH Karlsruhe unverzichtbar: Das rohe Stahlgestell wird von Student*en bemalt, besprüht – und gern auch mal geklaut. Lange Tischreihen präsentieren die Abschlussarbeiten auf den Fluren. Im Rahmen der studentischen Arbeit begegnen sich Adam Wieland und Egon Eiermann 1964 zum ersten Mal. Eiermann schätzt den anspruchsvollen Fachmann und seinen Einsatz für die Student*en. Wieland unterstützt den „Guru“ bei Metallkonstruktionen und Prototypen. Als Klaus Brunner – ein Assistent Eiermanns – 1965 nach Freiburg umziehen will, hat er eine besondere Bitte: Er wünscht sich eine transportable Version des Eiermann-Gestells, das in seine Ente passt. Wieland soll die fest verschweißten Stahlrohre so zersägen, dass sie sich später mit Steckverbindungen zusammensetzen lassen. Doch der hat eine bessere Idee: Er zerlegt das Gestell in vier Teile und macht sie verschraubbar. Für mehr Stabilität und Funktionalität stellt er die Kreuzstreben senkrecht. Ein optimierter Rohrquerschnitt reduziert das Gewicht. Der „Eiermann“ wird alltagstauglich – und Egon klopft Adam auf die Schulter.

Ein Tisch wird Kult

Noch im gleichen Jahr geht Wieland mit dem verschraubbaren Modell in Serie. Es ist schwarz lackiert und kostet 28 D-Mark. Da die Student*en die frisch gesägten Gestelle in der Metallwerkstatt sehen, verbreitet sich der Kult um den „zerlegbaren Eiermann“ wie ein Lauffeuer. Während das Interesse für das fest verschweißte Gestell nach und nach sinkt, schweißt Wieland bald zehn Stück pro Woche – und es werden schnell mehr. Um die steigende Nachfrage zu decken, geht die Produktion abends in der elterlichen Garage weiter. Auf 20 qm beschäftigt Wieland jetzt zwei Feierabend­schweißer. Gelagert wird im Keller, verkauft im Privathaus und an der Hochschule. Diese stattet nun auch ihre Sitzungszimmer mit dem Kult-Tisch aus. Hinzu kommen Zubehör und Varianten: Höhenversteller ersetzen die von Student*en verwendeten Ziegelsteine. Das Stehpult, ein Kindertisch sowie ein Modell mit nach hinten versetzten Kreuzstreben werden ergänzt. Der Tisch wird noch flexibler – und noch bekannter. Neben Architekt*en entdecken ihn jetzt auch andere Kreativberufe für sich.

Raum zum Wachsen

1993 geht Professor Rolf Lederbogen in Rente. Auch Adam Wieland verlässt die TH Karlsruhe und wird mit dem Neubau der „Adam Wieland Metallwerkstatt“ sein eigener Chef. Den Zusatz „Metallwerkstatt“ wählt er in Erinnerung an seine Zeit als Werkstattleiter. Die neue Adresse ist die Alte Kreisstraße 12. Auf 100 qm beschäftigt Wieland jetzt drei Schweißer, die im Akkord arbeiten. Dabei geht sein Kundenstamm längst über die über 5.000 Studente*n, die er in 60 Semestern betreute, hinaus. Viele von ihnen gründen ihre eigenen Büros und statten ihre ersten Arbeitsräume mit dem Tischgestell aus. Unter Architekt*en, Professor*en, Stadtplaner*n und Designer*n verbreitet sich der Tisch von Karlsruhe nach ganz Europa, in die USA, den Fernen Osten und Australien. Wieland beliefert nun große Namen wie David Chipperfield Architects, Henn oder Herzog & de Meuron. Auch Hochschulen wie die RWTH Aachen, die ETH Zürich oder die Bauhaus Universität Weimar zählen zu seinen Kunden. Zur Jahrtausendwende blickt Adam Wieland auf eine Erfolgsgeschichte von knapp 40 Jahren zurück. Ein Lebenswerk – bereit für die nächste Generation.

Peter, übernimmst du?

Schon früh ist die Familie ein Teil der Metallwerkstatt: Ehefrau Ursula kümmert sich um die Buchhaltung und den Versand. Die Töchter Daniela und Christiane verpacken die Bestellungen, organisieren der Vertrieb in Stuttgart, und betreuen die Kund*en. Sohn Peter hilft beim Bestopfen, Sägen und Beschichten. 2001 entwickelt er den ersten Webshop. Als Adam Wieland die 70 überschreitet, lebt und arbeitet Peter als Unternehmensberater in Oslo. Wie soll es mit der wachsenden Firma weitergehen? Ein Familienwochenende bringt die Entscheidung – gegen den Verkauf und für eine neue Aufgabe. 2008 übernimmt mit Peter Wieland die nächste Generation. Der Informatiker und promovierte Maschinenbauer wandelt das Einzelunternehmen zur Adam Wieland GmbH & Co. KG. Die Ergänzung „Metallwerkstatt“ behält er bei. Das Produktsortiment wird um einen Kabelkanal, einen Plattenverstärker und einen PC-Halter erweitert. Ein neues Konzept für die Verpackung und die Logistik beschleunigt die Auftragsabwicklung. Außerdem bekommt das Kultgestell – das von vielen Kunden noch „Eiermann-Tisch“ oder „Eiermann 2“ genannt wurde – endlich einen Namen: E2. Der 2009 eingetragene Markenname ist eine Hommage an das Ursprungsgestell von 1953 – und die selbständige Fortführung einer Tradition, die 1965 mit Adam Wieland begann.